Dein Psychologe
Therapie und Beratung in Krisensituationen
Weisheitspsychologie
(Weisheitsspruch: Der Unwissende wird böse, der Weise versteht!)

Dieser ganz neue psychotherapeutische Ansatz führt den am Leben zweifelnden Menschen wieder hin zu mehr innerer Freiheit und Akzeptanz gerade jenen Ereignissen gegenüber, auf die sie kaum oder keinen Einfluss hatten. Arbeitsplatzverlust, Trennung, Scheidung, Krankheit oder der Tod eines geliebten Menschen führen bei manchen Menschen zu tiefer Verbitterung und sogar Hass auf das Leben, auf sich selbst oder jene, die sie für ihr Schicksal oder den erlittenen Verlust verantwortlich machen.

Weisheit ist ja das Wissen um die Realität der Dinge und Umstände und die Akzeptanz gegenüber jenen Gegebenheiten, die einfach passiert sind, die nun mal passieren oder passieren können. Menschen trennen sich nun mal heutzutage; warum auch immer. Und - Menschen sterben! Junge, ganz junge und alte Menschen. Der Tod schaut nicht auf das Alter und Gerechtigkeit ist nicht immer allgegenwärtig, so wie wir uns das wünschen. Letztendlich macht nur Sinn, aus den Ereignissen für sich Erfahrungen abzuleiten, die uns im Leben weiterhelfen.



Der alte Mann
Vor langer Zeit, ich war noch jung, hatte gerade mein Abitur gemacht und war nun als Belohnung für den sehr guten Abschluss mit dem Rad in Irland unterwegs, sah ich in einem kleinen Fischerhafen einen alten Mann. Er saß fast den ganzen Tag auf einer Bank und schaute aufs Meer hinaus oder den Leuten zu, die vorübergingen oder am Kai arbeiteten. Von Zeit zu Zeit sprach ihn jemand an; junge, nicht mehr ganz junge und ältere Männer und Frauen, sogar Kinder, setzen sich zu ihm und erzählten ihm ihre Sorgen und Nöte. Wie mir der Herbergsvater erzählte, wurder der alte Mann von den Leuten hochgeschätzt wegen  seiner weisen Ratschläge und seiner Geschichten, die er als Antwort auf das Leid, die Sorgen und Nöte der Menschen um sich herum hatte. Es kämen sogar manchmal welche von weither, nur um mit ihm zu reden und um seinen Rat einzuholen, erzählte er mir.

Dieser Mann hatte keine höhere Schule besucht, studiert oder kluge Bücher gelesen. Als Junge war er mit seinem Vater schon aufs Meer hinaus zum Fischen, kannte nur den Heimathafen und das Meer. Und doch verfügte er über ein Wissen, einer Weisheit, die man bei manchen  Gelehrten und Studierten und anderen klugen Leuten mitunter vermisst.

Wie ist so etwas möglich? Nun, der alte Mann war sehr bewusst durchs Leben gegangen, hatte vom Meer, den weiten Himmel, Sterne, Sonne und Mond, den Stürmen im Herbst und Frühjahr, von der harten Arbeit und auch von den leidvollen Erfahrungen wie Alter, Krankheit, Tod und Verlust, etwas gelernt. Er konnte die Menschen so sein lassen, wie sie sind, war verständnisvoll und mitfühlend. Und er hatte verstanden, was nicht immer leicht ist zu akzeptieren, nämlich, dass es auch hin und wieder, oder manchmal am laufenden Band, ganz anders kommen kann, als uns lieb ist. Er hatte erkannt, dass der Raum, in dem wir leben, grenzenlos ist. Dass in ihm alles entsteht und wieder vergeht. Dass alles ein Kommen und Gehen  ist, ein  Werden und Vergehen. Und das es Sinn macht loszulassen, was nicht mehr zusammenhält, nicht mehr existent ist oder gehen will und dass Liebe und Mitgefühl allen fühlenden Wesen gegenüber mit das wichtigste ist, was es im Leben zu lernen gilt.

Der alte Mann war, so würde ich es heute nennen, ein weiser Mann. Als ich eines Tages ganz dicht an ihm vorbeiging, trafen sich für einen winzigen Augenblick unsere Augen. Er hatte sehr helle, klare Augen, wie der Himmel an einem Sommertag über der weiten Irischen  See. Sie waren voller Energie, wach und frisch und von einer unglaublichen bestechenden Tiefe. Er schaute in mich hinein und berührte meine Seele und - wir lächelten uns an.

Ich glaube, ich hatte damals den Gedanken: "Ich möchte einmal so sein, wie Du!"

Danke, alter Mann!




letzte Änderung: 08.02.2012